WECHSEL

Dienstleister wechseln, ohne Daten zu verlieren

Der Wechsel selbst ist kein Problem. Teuer wird er nur, wenn das Werbekonto und alles, was es in drei Jahren gelernt hat, beim alten Anbieter bleibt. Dann fängst du bei null an.

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Was du hier erfährst
  • Woran du erkennst, ob das Werbekonto dir gehört
  • Fünf Dinge, die du vor der Kündigung sicherst
  • Erst sichern, dann kündigen, dann übergeben
  • Warum die Anzeigen beim Wechsel anbleiben

Was gehört dir?

Dir gehört das Werbekonto bei Google und das bei Facebook samt allem, was darin in den letzten Jahren passiert ist, aber nur, wenn es auf deine Firma und deine E-Mail-Adresse angelegt wurde. Dir gehören die Besucherzahlen deiner Website. Dir gehören die Anzeigentexte und Bilder, wenn das so im Vertrag steht.

Der kritische Fall sieht so aus: Deine Agentur hat 2023 das Google-Werbekonto angelegt, mit ihrer E-Mail-Adresse, in ihrem eigenen Verwaltungskonto. Du hast jeden Monat die Rechnung bekommen, aber nie selbst hineingeschaut. Dann gehört dieses Konto der Agentur. Kündigst du, kann sie dir den Zugang einfach verweigern. Und mit dem Konto verlierst du drei Jahre Erfahrung: Google weiß in diesem Konto, welche Suchbegriffe bei dir zu Anrufen geführt haben und welche nur Geld gekostet haben. Ein frisches Konto weiß das nicht und gibt in den ersten Wochen spürbar mehr Geld für die falschen Leute aus.

Deshalb gehört die Frage 'Auf wessen Namen läuft das Konto?' in das erste Gespräch mit einem Dienstleister, nicht in das letzte.

Was solltest du vor der Kündigung sichern?

Bevor du das Kündigungsschreiben abschickst, fünf Dinge. Jedes davon ist in einer Stunde erledigt, wenn der Dienstleister mitspielt.

  • Dich selbst als Administrator eintragen lassen, im Google-Werbekonto und im Facebook-Werbekonto (dort heißt der Ort dafür 'Business-Portfolio'). So prüfst du es: Log dich mit deiner eigenen E-Mail-Adresse ein. Siehst du das Konto und kannst du unter 'Zugriff' oder 'Nutzer' andere Personen hinzufügen, bist du Administrator.
  • Zugang zu Google Analytics und zum Google Tag Manager. Analytics zählt die Besucher deiner Website. Der Tag Manager ist der Kasten, in dem die Messcodes von Google und Facebook stecken. Ohne ihn siehst du später nicht mehr, welche Anzeige zu welchem Anruf geführt hat.
  • Alle Bilder, Videos und Anzeigentexte als Dateien auf deine eigene Festplatte oder in deine Cloud. Nicht als Link in ein Laufwerk der Agentur, das nach der Kündigung zugeht.
  • Die Monatsberichte der letzten zwölf Monate als PDF. Der neue Dienstleister will sehen, was bisher funktioniert hat und was nicht.
  • Die Zugangsdaten zu deiner Website und eine Liste, welche Messcodes dort eingebaut sind.

Am wichtigsten sind die Administratorrechte. Sobald du selbst Administrator bist, kannst du jeden anderen Nutzer entfernen. Niemand kann dir den Zugang dann noch wegnehmen, auch nicht im Streit.

In welcher Reihenfolge gehst du vor?

Erst sichern, dann kündigen. Nicht umgekehrt. Wer zuerst kündigt und danach nach Rechten fragt, bittet jemanden um einen Gefallen, der gerade gekündigt wurde.

Danach trägst du den neuen Dienstleister als zusätzlichen Nutzer ein. Der alte bleibt vorerst drin. Erst wenn der Neue sagt 'Ich habe alles gesehen, ich übernehme ab Montag', entfernst du den Alten. Zwei Wochen, in denen beide Zugang haben, sind normal. Das kostet dich eine halbe Monatsgebühr extra und spart dir vier Wochen Neustart.

Und die laufenden Anzeigen bleiben an. Ein Konto, das drei Wochen pausiert, fängt danach an wie ein neues: Google und Facebook probieren wieder von vorn aus, welchen Leuten sie deine Anzeige zeigen sollen, und diese Probierphase bezahlst du.

Wie vermeidest du eine Lücke?

Der teuerste Fehler beim Wechsel ist das Abschalten aus Vorsicht. Das sieht so aus: Du kündigst zum 31. März, stellst die Anzeigen am 1. April aus, weil ja niemand mehr draufschaut, und der neue Dienstleister startet am 20. April. Drei Wochen lang kein einziger Anruf aus der Werbung. Und ab dem 20. April zahlst du die Probierphase erneut, weil das Konto von vorn lernt.

Lass alles laufen, bis der neue Anbieter dir sagt, dass er übernommen hat. Es fühlt sich falsch an, dem alten Dienstleister noch zwei Wochen zu zahlen, in denen er nicht mehr viel macht. Aus meiner Praxis ist das trotzdem fast immer billiger als drei Wochen Stillstand plus Neustart.

Geh in dieser Zeit eine Stunde mit dem Neuen durch das Konto, solange der Alte noch erreichbar ist. Dann lässt sich jede offene Frage sofort klären: Warum ist diese Kampagne pausiert? Wo liegt die Liste der Suchbegriffe, die ausgeschlossen wurden? Später kostet jede dieser Fragen eine Woche Mailverkehr.

Woher die Zahlen kommen

Die Angaben zur Funktionsweise der Plattformen in diesem Beitrag stützen sich auf deren offizielle Hilfeseiten:

Bevor du den neuen auswählst: woran du eine gute Google-Ads-Agentur erkennst und was eine Meta-Ads-Agentur können muss.

Das Wertvollste an einem Werbekonto ist, was es in den letzten Jahren gelernt hat. Wer das beim Wechsel verliert, bezahlt die Lernphase ein zweites Mal.

Häufige Fragen

Wem gehört das Werbekonto?
Dir, wenn es mit deiner E-Mail-Adresse angelegt wurde und du dich als Administrator einloggen kannst. Hat die Agentur es in ihrem eigenen Verwaltungskonto angelegt, gehört es ihr, samt allem, was es gelernt hat. Kläre das im ersten Gespräch, nicht bei der Kündigung.
Was muss ich vor der Kündigung sichern?
Fünf Dinge: dich selbst als Administrator im Google- und im Facebook-Werbekonto, den Zugang zu Google Analytics und Tag Manager, alle Bilder und Texte als Dateien, die Monatsberichte der letzten zwölf Monate als PDF und die Zugangsdaten zu deiner Website.
Soll ich die Kampagnen beim Wechsel abschalten?
Nein. Ein Konto, das drei Wochen stillsteht, probiert danach von vorn aus, wem es deine Anzeigen zeigt, und das bezahlst du. Lass alles laufen, bis der neue Anbieter sagt, dass er übernommen hat, auch wenn zwei Wochen lang beide Zugang haben.
Wie lange dauert eine Übergabe?
Die Rechte sind in einer Stunde übertragen. Bis der neue Dienstleister das Konto wirklich versteht, dauert es zwei bis vier Wochen. Plane diese Zeit mit beiden Anbietern parallel ein, statt drei Wochen ohne Anrufe zu riskieren.
Was, wenn der alte Dienstleister nicht kooperiert?
Läuft das Konto auf deine E-Mail-Adresse, kannst du dich bei Google oder Facebook selbst einloggen und die Agentur als Nutzer entfernen. Läuft es auf ihren Namen, bleibt meist nur ein neues Konto. Genau deshalb ist die Frage nach dem Eigentum vor dem Vertrag so wichtig.